Zentrale Leitstelle des Vogelsbergkreises

Notruf 112
Zertifiziert nach DIN EN ISO 9001:2008 durch die DQS Reg.-Nr. 245303 QM08

Kontakt

DRK Rettungsdienst
Mittelhessen
im Vogelsbergkreis
gemeinnützige GmbH

Hohe Bergstraße 2
36341 Lauterbach

Tel: 06641 96630
Fax: 06641 966330

service[at]rettungsdienst-vogelsberg[dot]de

Rettungsdienst und Krankentransport

Wir danken an dieser Stelle Herrn Henrik Lehneking aus Grebenau ganz herzlich, der uns seine eigene Hausarbeit aus dem Studiengang Pflege (WS 2010/2011) an der Hochschule Fulda, Fachbereich Pflege und Gesundheit zur Verfügung gestellt hat!

Hausarbeit Modul 3:
Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten


von Henrik Lehneking / Grebenau, den 20.06.2011

Die Rolle des Rettungsdienstes
in der Patientenversorgung

Der Rettungsdienst ist organisierte Hilfe und hat die Aufgabe, bei Notfallpatienten am Notfallort lebensrettende Maßnahmen durchzuführen und ihre Transportfähigkeit herzustellen sowie diese Personen unter Aufrechterhaltung der Transportfähigkeit und Vermeidung weiterer Schäden in eine geeignete Gesundheitseinrichtung (Krankenhaus) zu befördern (Notfallversorgung). Aufgabe des Rettungsdienstes ist es auch, kranke, verletzte oder sonstige hilfsbedürftige Personen, die keine Notfallpatienten sind, unter sachgerechter Betreuung zu befördern (qualifizierter Krankentransport).

Mit dem Begriff “Rettungsdienst– wird also die präklinische, notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung, mit ihren Bereichen Notfallrettung und Krankentransport bezeichnet.

Der Rettungsdienst ist ein wichtiger und umfangreicher Baustein der Patientenerstversorgung. Er hat die Aufgabe zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei medizinischen Notfällen aller Art, schnell und qualifiziert zu helfen. Hierzu ist der Rettungsdienst in verschiedene Teilgebiete gegliedert. Den größten Bereich stellt der sogenannte „bodengebundene Rettungsdienst“ dar. Darüber hinaus gibt es noch die „Luftrettung“, sowie den Berg- und den Wasserrettungsdienst. Diese Teilbereiche kooperieren nicht nur untereinander, sondern auch mit den Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk und der Polizei. Insgesamt bilden die genannten Institutionen den „Katastrophenschutz“.

In der Bundesrepublik fällt der Rettungsdienst unter die Zuständigkeit der Länder. Diese wiederum legen diese per Gesetz auf die Landkreise und kreisfreien Städte. Eines dieser Landesgesetze regelt unter Anderem die „Hilfsfrist“. Diese schreibt für Hessen beispielsweise vor, dass ein Rettungsmittel einen an Verkehrsstraßen gelegenen Einsatzort innerhalb von zehn Minuten erreichen muss. Für den Rettungsdienst kann eine Kommune entweder hauptamtliche Mitarbeiter wie etwa der Feuerwehr, private Anbieter, aber auch eine der Hilfsorganisationen einsetzen. Das Einsatzpersonal wird von der kreiseigenen Leitstelle alarmiert.

Bei einem Massenanfall von Verletzten (MANV) können zusätzliche Helfer der Schnelleinsatzgruppen (SEG) alarmiert werden. Der Einsatz von SEG'en wird in der Regel dann erforderlich, wenn zum Zeitpunkt des Geschehens nicht genügend reguläre Einsatzkräfte zur Versorgung vor Ort sind.

Ausstattung des Rettungsdienstes

Der Rettungsdienst Vogelsberg versorgt eine Fläche von etwa 1.500 Quadratkilometern. Im Vogelsbergkreis wohnen etwa achtzig Einwohner auf einem qkm. Somit ist dieser Kreis der bevölkerungsschwächste in Hessen.

Über das gesamte Kreisgebiet sind insgesamt acht Rettungswachen verteilt. Fünf davon sind Stützpunkte eines Rettungstransportwagens (RTW), eine davon ist Stützpunkt eines Notarzteinsatzfahrzeuges (NEF) und die zwei Hauptwachen beherbergen sowohl RTW, NEF als auch ein Krankentransportfahrzeug (KTW) oder ein Mehrzweckfahrzeug (MZF).

Der Rettungstransportwagen (RTW) und
das Mehrzweckfahrzeug (MZF)

Als RTW beziehungsweise MZF hält der Rettungsdienst VB „Sprinter“ der Marke Mercedes-Benz mit einem Kofferaufbau der Firma „Strobel“ vor. Die zwei Personen starke Besatzung eines RTW/MZF besteht aus einem Rettungsassistenten (RA) und einem Rettungssanitäter (RS), beziehungsweise einem Rettungshelfer (RH). Ein RTW ist so ausgerüstet, dass Patienten darin fachgerecht behandelt und die Vitalzeichen überwacht werden können. Hierzu stehen verschiedene medizintechnische Mittel zur Verfügung. Dazu zählen ein EKG, Notfallkoffer für Kinder und Erwachsene, eine Sauerstoffanlage, spezielle Bestecke für verschiedene Notfallsituationen, eine Absaugpumpe, Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte und ein Beatmungsgerät. Darüber hinaus führt ein RTW diverse rettungstechnische Komponenten, wie etwa die Patiententragen, Halskrausen, Vakuumschienen und eine Rettungsaxt mit sich. Natürlich führt ein RTW auch Notfallmedikamente in verschließbaren Schränken mit.

Zur Kommunikation mit der Leitstelle oder anderen Rettungsmitteln ist der RTW, wie die anderen Fahrzeuge auch, mit einer Funkanlage ausgestattet.

Das Notarzteinsatzfahrzeug (NEF)

Als NEF hält der Rettungsdienst VB A6 Avant Modelle des Herstellers Audi vor. Die zwei Personen starke Besatzung eines NEF's besteht aus einem Notarzt (NA) und einem Rettungsassistenten oder einem erfahrenen Rettungssanitäter. Das NEF dient dem Transport des Notarztes, samt dem erforderlichen medizinisch-technischen Gerät zum Einsatzort.

Der Krankentransportwagen (KTW)

Ein Vito der Marke Mercedes-Benz ist als KTW eingesetzt. Die Besatzung besteht ebenfalls aus zwei Einsatzkräften, einem Rettungsassistenten und einem Rettungssanitäter, beziehungsweise einem Rettungshelfer. Der KTW dient dem qualifizierten Krankentransport. Er ist mit einer Trage und Transportsuhl, sowie einem Automatischen-Elektrischen-Defibrilatoren (AED) und einer Sauerstoffanlage bestückt.

Leistungsangebot des Rettungsdienstes

„Rettungsdienstleistungen sind keine Transportleistungen im Sinne einer reinen Personenbeförderung, weil durch die Spezifik der Leistung bezüglich der notfallmedizinischen Versorgung, der ständigen Einsatzbereitschaft, der aufwendigen medizintechnischen Ausstattung, der besonderen fachlichen Ausbildung des Personals und der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist eine Vergleichbarkeit fehlt. Mit dem Begriff “Rettungsdienst– wird also die präklinische, notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung, mit ihren Bereichen Notfallrettung und Krankentransport bezeichnet“.

Lernangebote

Zur Mitarbeit im Rettungsdienst ist mindestens eine Ausbildung zum Rettungshelfer erforderlich. Diese Ausbildung umfasst einen theoretischen und zwei praktische Teile.

Der theoretische Teil findet in entsprechenden Bildungseinrichtungen statt. Die praktischen Teile werden in Krankenhäusern, speziell in der Anästhesie und der Intensivstation, sowie als Begleiter im Rettungsdienst abgeleistet.

Während des Klinikpraktikums werden Einweisungen für das Verhalten im Dienstbereich erteilt. Darüber hinaus wird eine Assistenz, beziehungsweise eigenständige Durchführung in den Themenbereichen Infusion und Injektion, Patientenversorgung/Betreuung und Beatmung verlangt.

Im Rettungswachenpraktikum erhält man Einweisungen für Fahrzeuge und Fahrweise im Rettungsdienst, die regionale Organisation, die Orientierung im Einsatz, sowie die Dokumentation und Registrierung. Durch den Medizinproduktebeauftragten erhält man eine Einweisung für die im Rettungsdienst relevanten Geräte, deren Wartung und Reinigung. Dies wird durch ein separates Dokument bescheinigt. Der staatlich geprüfte Desinfektor informiert über die Hygienerichtlinien im Rettungsdienst.

Der dem Praktikanten zugeteilte Rettungsassistent informiert über die Bereiche: Verhalten an der Einsatzstelle, Rettung unter schweren Bedingungen, Besonderheiten in Kliniken und Übergabe von Patienten, Beobachtung und Überwachung von Vitalparametern, Medikamente im Rettungsdienst, Ruhigstellungsmaterialien, die Lagerung, und gibt eine Einweisung in den Notfallkoffer.

Zur Informationsbeschaffung steht darüber hinaus verschiedenste Fachliteratur zur Verfügung. Es handelt sich um Bücher und Zeitschriften aus den Bereichen Medizin, wie zum Beispiel "Mensch-Körper-Krankheit", sowie Fachliteratur für präklinische Notfallmedizin, wie zum Beispiel "LPN-San". Darüber hinaus stehen auch fachbezogene Zeitschriften wie "Rettungsdienst-Zeitschrift für präklinische Notfallmedizin" zur Verfügung. Dieses Material dient sowohl der Aus- wie Weiterbildung.

Ergänzend sind hier auch noch die QM- und Dienstvorschriften zu nennen.

Institutionelle Rahmenbedingungen und
deren Auswirkungen auf Mitarbeiter

Diverse Standards und Richtlinien bilden die Rahmenbedingungen für die Versorgung der Patienten, sowie der Nachsorge am Arbeitsmaterial. Es gelten zum Beispiel strenge Richtlinien bezüglich der Hygiene im Einsatzfahrzeug, der Materialien und dem Eigenschutz. Diese Bestimmungen wirken sich auf das Handeln des Personals aus. In den Desinfektionsrichtlinien wird nicht nur festgehalten, wie die Individualhygiene stattzufinden hat, sondern auch wie und wann die Arbeitsmaterialien zu desinfizieren sind.

Hygienerichtlinien

Aufgrund der häufig wechselnden Patienten, mit den verschiedensten Erkrankungen und der eventuellen Absonderung von Körperflüssigkeiten ist es besonders wichtig, sehr gründlich vorzugehen. Ein Beispiel für Richtlinien ist die "Hygieneroutine und Desinfektionsmittel im KTW". Darin ist festgeschrieben, wann und was im Krankentransportwagen zu desinfizieren ist. Wird eine Fläche mit Blut, Sekret, Eiter oder Exkrementen kontaminiert, soll sofort, möglichst noch während des Transportes, desinfiziert werden.

Diese Flächen sollen mit einem in der DGHM-Liste aufgeführtem Mittel eingesprüht und nach Einwirkzeit mit Zellstoff gereinigt werden.

Nach dem Transport werden jene Flächen desinfiziert, die vom Patienten kontaminiert sein könnten. Hierzu muss eine 0,5%ige Lösung verwendet werden. Verbrauchtes Einmalmaterial muss entsorgt werden. Darüber hinaus sind auch Tages- und Wochendesinfektionsvorschriften verfasst. So müssen beispielsweise alle erreichbaren Oberflächen (Fußboden, Wände, Trage, etc.) täglich desinfiziert werden. Der gesamte Fahrzeuginnenraum, sowie Koffersysteme und Halterungen, Schränke, sowie alle medizinischen Geräte müssen einmal wöchentlich desinfiziert werden.

Nach einem sogenannten "Infektionstransport" muss ebenfalls der gesamte Innenraum desinfiziert werden. Die verbrauchten Materialien müssen gesondert entsorgt und die verbrauchte Wäsche in gekennzeichneten Wäschesäcken unter bestimmten Richtlinien gewaschen werden. (vergl. Böbel, Markus, et all. 2006)

Hauptüberträger für Krankheitskeime sind die Hände des Personals. Deshalb zählt die hygienische Händedesinfektion zu den effektivsten und mit den heutigen Mitteln auch zu den einfachsten Maßnahmen, um Infektionen zu vermeiden. (Böbel, Markus, et all. 2006)

Das Qualitätsmanagement

Das Qualitätsmanagement dient unter anderem einer Standardisierung im Rettungsdienst, es regelt die Zuständigkeiten, Prozesse und den Umgang mit Material. Ebenso soll es zu einer konsequenteren Einhaltung der fast 200 rechtlichen Vorgaben dienen und dadurch Haftungsrisiken minimieren. Ebenso soll eine Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Kostensenkung und einen effizienten Umgang mit bestehenden Ressourcen erfolgen.

Dem Qualitätsmanagement liegt ein Kreismodell zu Grunde. Es beschreibt, wie eine Effizienzsteigerung ablaufen soll. In der Planungsphase wird ein Standard festgelegt, welcher in der Durchführungsphase erprobt wird. Im Anschluss werden die Ergebnisse evaluiert. In der letzten Phase werden eventuelle Fehler erkannt und Entwicklungspotential festgestellt. Darauf aufbauend kann erneut geplant werden. Hiermit soll eine fortwährende Optimierung erzielt werden. Daraus resultiert unter Anderem, dass bei Beginn jeder Schicht das entsprechende Rettungsmittel samt Geräten "gecheckt" wird. Ebenso wird die Vollständigkeit der Materialien überprüft. Somit können Fehlerquellen im Einsatz minimiert werden. Ein weiteres Beispiel ist die in bestimmten zeitlichen Abständen erfolgende Zertifizierung der Materialien und Fahrzeuge. Hierbei werden alle Geräte überprüft und gegebenenfalls ersetzt.

Die sogenannte "Notkompetenz"

Das wohl wichtigste und interessanteste rechtliche Problem im Rettungsdienst ist das der Notkompetenz. Man muss die Problematik vollständig begreifen, um sich an der Einsatzstelle rechtlich und ethisch korrekt verhalten zu können.

Bestimmte Gegebenheiten und Situationen stellen das Rettungspersonal vor die Frage, ob es Maßnahmen, die ursprünglich dem speziell dafür ausgebildeten Arzt obliegen, ergreifen soll. (M. Nüßen, 2011)

-§ 34 StGB - Rechtfertigender Notstand (Regelung seit 01.01.1999)

"Wer in einer gegenwärtigen, nicht anders abwendbaren Gefahr für Leben, Leib, Freiheit, Ehre, Eigentum oder ein anderes Rechtsgut eine Tat begeht, um die Gefahr von sich oder einem anderen abzuwenden, handelt nicht rechtswidrig, wenn bei Abwägung der widerstreitenden Interessen, namentlich der betroffenen Rechtsgüter und des Grades der ihnen drohenden Gefahren, das geschützte Interesse das beeinträchtigte wesentlich überwiegt. Dies gilt jedoch nur, soweit die Tat ein angemessenes Mittel ist, die Gefahr abzuwenden.“ (StGB -§ 34 )

Dem "Geschädigten" obliegt die Entscheidung, ob und wer die Maßnahmen durchführen soll. Erleidet der Patient zum Beispiel einen Volumenmangelschock, und es ist kein (Not-) Arzt in der Nähe, wäre es nach vergleichen von Nutzen und Schaden legitim, ihm als Rettungsdienstpersonal einen intravenösen Zugang zu legen und ihm durch diesen eine Ringerlösung zu applizieren. Durch den akuten Flüssigkeitsmangel besteht eine unmittelbare Lebensgefahr in Form eines totalen Kreislaufstillstandes.

Den Maßnahmen muss eine umfassende Aufklärung und Zustimmung des Patienten zugrunde liegen. Darüber hinaus muss der Rettungsassistent oder Rettungssanitäter die Maßnahme beherrschen.

Ergänzend besagt der Paragraph 228 StGB, dass "[...]eine Körperverletzung mit Einwilligung der verletzten Person nur dann rechtswidrig ist, wenn die Tat trotz der Einwilligung gegen die guten Sitten verstößt." (vergl. -§ 228 StGB)

Ist ein Patient minderjährig, so obliegt die Einwilligung zur Durchführung einer Notkompetenzhandlung den Erziehungsberechtigten.

Ziele und Vorstellungen des Patienten

Wenn es die Umstände und der zeitliche Rahmen ermöglichen, wird auf die Vorstellungen des Patienten eingegangen. Dies gestaltet sich besonders in akuten Notfallsituationen als schwer umsetzbar.

Dokumentation über den Ablauf eines Einsatzes

Eine Frau beobachtete, wie ihre Nachbarin im Garten zusammenbrach. Darauf hin setzte sie einen Notruf ab, der nach der Alarmierung zu folgender Einsatzmeldung führte: "Einsatz für RTW und NEF, Patient nicht ansprechbar, Anfahrt mit Sondersignal!"

Chronologie des Einsatzes

Bei Ankunft an der Einsatzstelle meldete das Rettungsdienstpersonal dies per Funk an die Leitstelle und sie begaben sich mit EKG, Absaugpumpe, Notfallkoffer und Sauerstoffflasche zur Patientin. Hierbei handelte es sich um eine 86-jährige Frau, welche im Garten liegend aufgefunden wurde. Der Notarzt überprüfte sofort Atmung und Puls der Patientin. RA und RH stellten in dieser Zeit Absaug- und Intubationsbereitschaft her. Der Notarzt stellte fest, dass Puls und Atmung vorhanden seien und bewertete die Patientin nach der Glasgow- Coma- Scale (GCS), die einen Wert von 14 ergab. Eine Intubation war nicht weiter erforderlich. Nun wurde ein intravenöser Zugang gelegt. Im Anschluss führte der RH einen BZ-Test durch und ermittelte Blutdruck und Puls. Aufgrund der Dringlichkeit wurde der BZ-Test anders als in den Praxisphasen der Hochschule vorgenommen. Nachdem der NA einen intravenösen Zugang legte, übergab er die Nadel dem RH. Dieser konnte nun einen Blutstropfen aus der Nadel auf den Stick des BZ-Messgerätes geben.

Vitalwerte: BZ = 30mg/dl, Puls = 70bpm, RR = 100/69, O-²-Sättigung = 97%

Das erheben einer Anamnese gestaltete sich schwer, da die Patientin noch immer nicht ansprechbar war, und bereits bewusstlos von der Nachbarin aufgefunden wurde. Darüber hinaus konnten keine Familienangehörigen erreicht werden. Da sich der BZ-Wert lediglich bei 30mg/dl befand, wurden der Frau 4g Glucose durch den NA verabreicht. Um weitere Verletzungen durch den Sturz auszuschließen führte der Arzt einen Bodycheck durch. Die Patientin hatte keine weiteren Verletzungen.

Ein erneuter BZ-Test ergab einen Wert von 60mg/dl und die Patientin klarte langsam auf. Danach lud das Personal die Patientin mittels Tragetuch auf die Trage im RTW um und fragte, ob sie bequem läge. Danach legte der RH sofort nach Absprache mit der Patientin und seinem Assistenten ein 12-Kanal EKG an. Dieses zeigte einen normalen Sinusrhythmus an. Während des Patientengesprächs, wies der RH die Patientin darauf hin, dass es erforderlich sei, den Blutzucker erneut zu messen und da dies mit einem Stich in den Finger verbunden sei, bat er sie um Einverständnis.

Wie sich im Gespräch zeigte, hat die Patientin schon des Öfteren selbst den Blutdruck gemessen, daher war ihr die Vorgehensweise bekannt. Darauf hin wurde ein erneuter BZ-Test durchgeführt, welcher einen Wert von 104 ergab. Der Rettungshelfer erläuterte nun, dass er aufgrund ihrer O-²-Sättigung von 93%, 3l Sauerstoff durch eine Sauerstoffbrille verabreichen werde. Im Anschluss daran übernahm der Assistent die Aufsicht, während der RH sich in das Führerhaus begab um den RTW zur Notaufnahme des nächstgelegenen Krankenhauses zu fahren. Dort übergab der Notarzt die Patientin an den diensthabenden Internisten mit der Diagnose "Zustand nach Hypoglykämie".

Fazit

„Parallel zur Anamnese und klinischer Untersuchung erfolgt der Einsatz von apparativer Diagnostik und Überwachung. Da es bei vital gefährdeten Notfallpatienten schnell zu Verschlechterungen kommen kann, ist es erforderlich, diese Patienten während der präklinischen Versorgung und des Transportes in die Klinik engmaschig zu überwachen.“ (Böbel, Markus, et all. 2006)

Darunter fällt nicht nur das Überwachen mittels EKG und Pulsoximeter, sondern auch eine stete Kontrolle des Blutrucks und ggf. des Blutzuckers.

Die Ethik spielt im Rettungsdienst eine große Rolle. Das wohl deutlichste Beispiel sind die Wiederbelebungsmaßnahmen. Hierbei muss in jedem Fall eine individuelle Entscheidung getroffen werden. Die Chancen auf Erfolg bei einer Reanimation liegen bei etwa 10 Prozent.

Schon bei Auffinden des Patienten muss sich das Rettungsdienstpersonal, besonders der Notarzt die Frage stellen, ob eine Reanimation sinnvoll ist. Liegt jedoch eine Patientenverfügung vor, muss dieser Folge geleistet werden.

"Weil der Betroffene keine Auskunft mehr darüber geben kann, welche Vorgehensweise er sich von den Helfern wünscht, geht man insbesondere bei einem völlig unerwartet eingetretenen Herz-Kreislauf-Stillstand erst einmal davon aus, dass eine Reanimation im Sinne des Patienten sein wird ("mutmaßliche Einwilligung"). Sicher ist das aber nicht.“ (Zeitschrift : Rettungsdienst, 2007)

Auch der Zeitfaktor ist zu beachten. Je länger der Kreislaufstillstand andauert, desto länger ist auch der Ausfall der Durchblutung der Organe. Dies könnte selbst bei erfolgreicher Cardio-Pulmonaler-Reanimation (CPR) zu erheblichen Schäden am Patienten führen.

Auch das Alter und die (Kranken-) Vorgeschichte der Person muss beachtet werden. Hat diese zum Beispiel schon einen langen krankheitsbedingten Leidensweg hinter sich, oder man kann von einer altersbedingten Todesursache ausgehen, muss man sich ebenfalls die "Nutzen-/Schaden"- Frage stellen. Es gilt allgemein die Maxime: "Im Zweifel für das Leben!"

Nicht nur die Reanimation an sich stellt das Rettungsdienstpersonal vor ethische Entscheidungen, sondern auch der Umgang mit den Angehörigen.
"Grundsätzlich gelten auch bei einer Reanimation sämtliche Regeln, die für den Umgang mit Angehörigen in anderen Notfallsituationen formuliert worden sind. Dazu gehört, dass das Rettungsteam sich vorstellt, zuhört, durch zielstrebiges und zügiges (nicht hektisches!) Arbeiten Kompetenz ausstrahlt etc." (Zeitschrift : Rettungsdienst, 2007)

Hierbei ist auch wichtig, dass keine falschen Hoffnungen vom Rettungspersonal vermittelt werden. Erfahrungsgemäß wollen viele Angehörige, insbesondere Eltern, bei der Reanimation anwesend sein. Von jenen [...]" die Reanimationsversuche bei ihrem Kind miterlebt haben, würden 90 Prozent wieder dabei sein wollen." (vergl. Zeitschrift: Rettungsdienst, 2007).

Solange keine Beeinträchtigung der Arbeit des Rettungsdienstpersonals stattfindet, ist gerechtfertigt, wenn Angehörige im Raum sind.

Literaturnachweis

Böbel, M.; Hündorf, H.P.; Lipp, R.; Veith, J. (2006):
LPN-San. Lehrbuch für Rettungssanitäter, Betriebssanitäter und Rettungshelfer
2., aktualisierte Aufl. Edewecht: S+K Verlag.

(M Nüßen, 2011) www.recht-im-rettungsdienst.de 2011
Dozent für "Rechtskunde im Rettungsdienst" (u.a. DRK Recklinghausen)

(StGB -§ 34):  Rechtfertigender Notstand (Regelung seit 01.01.1999)

(StGB -§ 228):  Einwilligung

(DRK, 2011/Fahrzeuge) = www.rettungsdienst-vogelsberg.de
Zeitschrift Rettungsdienst = Ausgabe 12/2007, 30. Jahrgang

Baskett PJF, Stehen PA, Bossaert L (2006) Ethik der Reanimation und Entscheidungen am Lebensende. Abschnitt 8 der Leitlinien zur Reanimation 2005 des European Resuscitation Council. Notfall & Rettungsmedizin 9: 155-163