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DRK-Kreisverband Alsfeld zieht Bilanz über "Jahr der Flüchtlinge" / "Haben das gut hinbekommen"

Als das "Jahr der Flüchtlinge und das Jahr der ehrenamtlichen Helfer", die ein "geradezu überwältigendes Engagement" an den Tag gelegt hätten und dies immer noch tun, habe Hans-Ulrich Lipphardt, Kreisvorsitzender des DRK-Kreisverbandes Alsfeld, 2015 in Erinnerung.

Ehrungen beim DRK Kreisverband Alsfeld (v.l.) Robert Belouschek (stellvertretender Kreisvorsitzender), Helmut Euler (Schatzmeister), Hans-Ulrich Lipphardt (Kreisvorsitzender), Manfred Hasemann (stellvertretender Rotkreuzbeauftragter und Kreisgeschäftsführer), Heinrich Muhl, Landrat Manfred Görig (stellvertretender Kreisvorsitzender), Martin Zulauf, Sven Urban (Kreiswasserwachtleiter), Ulf Immo Bovensmann (Kreisbereitschaftsleiter) und Thorsten Ellrich (Rotkreuzbeauftragter)

Dieses Berichtsjahr war Thema der Jahreshauptversammlung am Freitag in der Feldahalle in Groß-Felda. Lipphardt dankte allen, die sich an der Flüchtlingshilfe beteiligt hatten, sei es als Hilfe vor Ort oder Sach- und Geldspenden, und stellte klar: "Der Staat wäre überfordert, wenn es das ehrenamtliche Engagement nicht geben würde." Alleine die Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes Alsfeld hätten im vergangenen Jahr mehr als 125 000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet.

Geprägt gewesen sei 2015 zunächst von normalen Alltagseinsätzen, bis die Flüchtlingskrise im Spätsommer die DRK-Mitarbeiter erreicht habe, wie Kreisbereitschaftsleiter Ulf Immo Bovensmann berichtete.

Insgesamt wurden die Bereitschaften des DRK-Kreisverbandes Alsfeld zu mehr als 20 Einsätzen gerufen, wie Bovensmann ausführte. Bei sieben habe es sich um den Bereich Betreuer vor Ort gehandelt (BvO). Ein solcher käme etwa zum Einsatz, wenn der Rettungsdienst einen Patienten ins Krankenhaus fahren müsse und Angehörige in diesem Moment nicht allein gelassen werden könnten.

Übungen und Ausbildungen würden oft gemeinsam mit den Feuerwehren abgehalten, wie im vergangenen Jahr die Großübungen in Kirtorf, Mücke und Gemünden.

Diverse Lehrgänge wie ein Fachdienstlehrgang Betreuung und ein Fachdienstlehrgang Sanität habe der Kreisverband 2015 angeboten, ebenso wie Seminare aus dem Bereich der Helfergrundausbildung und verschiedene Fortbildungen.

Weiterhin hätte der Kreisverband auf vielen Veranstaltungen den Sanitätsdienst gestellt, so etwa auf dem Hessischen Familientag in Alsfeld. 2015 konnten darüber hinaus von den DRK-Mitarbeitern 2790 Personen bei Blutspenden begrüßt und etwa 215 Tonnen Altkleider gesammelt werden.

Prägend sei jedoch ab dem Spätsommer die Flüchtlingshilfe gewesen. Zunächst habe den Kreisverband ein Einsatzbefehl des Landesverbandes erreicht, mit dem Auftrag, die im Verbandsgebiet gelagerten Feldbetten und Decken einsatzbereit in der Landesverstärkung in Fritzlar abzugeben. Daran habe man gemerkt: "Die Lage spitzt sich zu."

Mitte September wurden alle Helfer für einen Einsatz im Rahmen der Flüchtlingshilfe in Stadtallendorf alarmiert. Dort, im Zeltlager, habe sich ein vielseitiges Aufgabengebiet gezeigt. Die Flüchtlinge mussten aufgenommen und medizinisch versorgt werden und die Ehrenamtlichen mussten immer wieder für Sanitätsmittelnachschub sorgen. Vier Tage, in welchen die Helfer etwa 3300 Stunden geleistet hätten, habe der Einsatz gedauert. In der Folge habe die Transportgruppe des Kreisverbandes für eine Woche Krankentransporte für eine Flüchtlingsunterkunft in Offenbach durchgeführt, bevor die Flüchtlingskrise im Oktober schließlich den Vogelsbergkreis direkt erreicht habe.

In 72 Stunden betriebsbereit

Am 8. Oktober habe der Kreis den Einsatzauftrag bekommen, 1000 Flüchtlinge in Notunterkünften unterzubringen. Die Unterkünfte mussten binnen 72 Stunden betriebsbereit sein. Dies sei den Helfern gelungen, jedoch habe es noch Tage gedauert, bis die Notunterkünfte in Mücke, Homberg und Alsfeld schließlich belegt worden seien. Der Einsatz sei nicht einfach gewesen, es mussten Dienstpläne erstellte werden, mit Arbeitgebern verhandelt werden, um Personal freizustellen, und noch viel mehr. Jedoch habe sich im Rahmen dieses Einsatzes die ganze Bandbreite der Leistungsfähigkeit des Roten Kreuzes gezeigt.

Aus der Arbeit der Kreiswasserwacht berichtete deren Leiter Sven Urban. Insgesamt seien 2865 Dienststunden geleistet worden. Die Hauptaufgaben der Abteilung seien die Schwimmausbildung und die Ausbildung von wasserrettungsdienstlichen Fähigkeiten. Auch als Wasserwacht Alsfeld habe man wieder bei vielen Veranstaltungen wie der Kieler Woche das Boot mit Personal bereitgestellt.

Die Kreisjugendrotkreuzleiterin Christina Kratz berichtete aus der Jugendarbeit. Im Berichtsjahr habe die Jugendabteilung 209 Mitglieder gezählt. Im März seien über 80 Kinder und Jugendliche beim traditionellen Kreiswettbewerb mit dem Kreisverband Lauterbach in der Alsfelder Geschwister-Scholl-Schule angetreten.

Der stellvertretende Kreisvorsitzende Robert Belouschek freute sich, Ehrungen vornehmen zu können. Landrat Manfred Görig, stellvertretender Kreisvorsitzender, Helmut Euler, Schatzmeister des Kreisverbandes, Heinrich Muhl, Alsfelder Stadtrat, Martin Zulauf und Sven Urban erhielten die Verdienstmedaille des DRK-Kreisverbandes Alsfeld in Bronze.

Görig sei nicht nur im Vorstand engagiert, sondern bereits seit 20 Jahren aktiv im Dienst des DRK. Muhl habe sich in seiner Eigenschaft als Chefkoordinator der Stadt Alsfeld im Rahmen der Flüchtlingshilfe als "vorbildliche Stütze" hervorgetan. Urban engagiere sich trotz seines jungen Alters bereits seit 29 Jahren im DRK und zeige unermüdlichen Einsatz. "Solche Leute brauchen wir", so Belouschek. Zulauf arbeite seit Jahren ehrenamtliche sowohl für das Rote Kreuz als auch für die Alsfelder Feuerwehr und bilde somit ein Bindeglied zwischen beiden, außerdem "machen ihn seine handwerklichen Fähigkeiten unverzichtbar". Dass der Kreisverband auch wirtschaftlich solide stehe, daran habe schließlich Euler einen nicht geringen Anteil: "Ohne ihn hätte sich der Kreisverband nicht so gut entwickelt."

Landrat Görig verteidigte in seinem Grußwort seine damalige Entscheidung, die Turnhallen als Notunterkünfte bereitzustellen. Er habe damals einige erboste Emails von Eltern bekommen, deren Kinder nicht mehr zum Sport in die Hallen konnten: "Es hat mich erschüttert, wie schnell manche ihre Humanität über Bord werfen, wenn es sie selbst betrifft." Dies sei beim DRK anders, hier stehe Menschlichkeit an erster Stelle.

Allen an der Flüchtlingshilfe Beteiligten dankte auch Görig. Dies sei ein ganz außergewöhnlicher und nicht immer planbarer Einsatz gewesen. "Viele sind bis an ihre Grenzen gegangen, aber in der Summe haben wir das gut hinbekommen."

Grüße überbrachten auch Bernhard Ziegler, Kreisvorsitzender des Kreisverbandes Lauterbach und Kreisbrandinspektor Dr. Sven Holland. Beide lobten die gute Zusammenarbeit, auch im Hinblick auf die Flüchtlingshilfe. "Es hat Spaß gemacht, in solch einem bunten Team zu arbeiten", zog Holland positive Bilanz aus diesem Einsatz.

Text- und Bildquelle: Oberhessische Zeitung

8. Oktober 2016 16:12 Uhr. Alter: 3 Jahre